Karmacoma von Massive Attack (1994)

Song Factsheet
Songtitel: Karmacoma
Künstler: Massive Attack (feat. Tricky)
Album: Protection
Jahr: 1994
Songwriter: Robert Del Naja, Grant Marshall, Andrew Vowles, Tricky (Adrian Thaws), Neil Davidge
Produzent: Massive Attack, Nellee Hooper
Genre: Trip-Hop
Subgenre: Downtempo, Alternative Hip-Hop
Samples oder Coverversionen: - Enthält ein markantes Sample von „Dafne e il lauro“ (Opera von Roberto Pregadio, 1973, aus „Qualcuno Ha Visto Uccidere...“) - Der Song wurde unter anderem von Tricky mit „Overcome“ (1995) selbst gecovert (gleiches Instrumental, anderer Text) - Das Glockenspiel-Intro stammt aus „Dream Time in Lake Jackson“ von The Blackbyrds.

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Im Podcast
Episode: STH2 ep05
Motto: Top10 Songs zum Cruisen
Titelnummer: 3
Presenter: Steffen
Extra Info:
Chart Platzierungen
Beste Chartplatzierung Deutschland:
· Deutschland Platz 90 1995-04-10
Top 3 Chartplatzierungen weltweit:
· UK Platz 15 1995-04-01
· Island Platz 3 1995-04-01
· Niederlande Platz 75 1995-04-01
Auszeichnungen & Preise
NME Award – Brit Awards 1996
Film- und TV-Bezüge
- Verwendung im Soundtrack des Films „The Fan“ (1996, Regie: Tony Scott) - Untermalung in der US-Serie „La Femme Nikita“ (Staffel 2, Episode 15, 1998) - Auftritt im Trailer zu „Mission: Impossible“ (1996)
Quellen

„Karmacoma“ von Massive Attack: Trip-Hop-Meisterwerk mit hypnotischem Beat, coolen Samples und Banksy-Gerüchten. Ein musikalisches Highlight der 90er.

Hintergrundinfos

Roots im multikulturellen Bristol
Massive Attack, die federführend aus der Bristol-Szene der frühen 90er stammen, verarbeiten in „Karmacoma“ verschiedenste musikalische Einflüsse und spiegeln damit die Vielfalt und kosmopolitische Identität ihrer Heimatstadt wider — inklusive Reggae-, Hip-Hop- und Dub-Elemente, gemischt mit sphärischen Sounds.
Textliche Ambiguität und Dualität
Massive Attack, die federführend aus der Bristol-Szene der frühen 90er stammen, verarbeiten in „Karmacoma“ verschiedenste musikalische Einflüsse und spiegeln damit die Vielfalt und kosmopolitische Identität ihrer Heimatstadt wider — inklusive Reggae-, Hip-Hop- und Dub-Elemente, gemischt mit sphärischen Sounds.
Innovative Produktionstechnik
Bei den Aufnahmen setzten Massive Attack auf ungewöhnliche Produktionsmethoden – darunter das aufwändige Layern von Samples und eine bewusste Reduktion von Drums, um die psychedelische Grundatmosphäre des Tracks herauszuarbeiten; „Karmacoma“ gilt außerdem als einer der ersten Songs, in denen die Band mit indischen Percussion-Instrumenten experimentierte.

Triviawissen

Ursprünglicher Titel
Der Song trug während der Produktion im Studio ursprünglich den Arbeitstitel „Karma Coma“, bis sich die Lesart als ein einziges Wort durchsetzte, um den hypnotischen Effekt noch stärker hervorzuheben.
Ein Musikvideo, viele Interpretationen
Das Musikvideo von Jonathan Glazer spielt in einem surrealen Hotel mit Türen ins Nichts – ein subtiler Verweis auf Stanley Kubricks „The Shining“, der seither bei Fans und Kritikern für reichlich Kopfzerbrechen sorgt.
Heimlicher Star: Der indische Loop
Bei den Aufnahmen setzten Massive Attack auf ungewöhnliche Produktionsmethoden – darunter das aufwändige Layern von Samples und eine bewusste Reduktion von Drums, um die psychedelische Grundatmosphäre des Tracks herauszuarbeiten; „Karmacoma“ gilt außerdem als einer der ersten Songs, in denen die Band mit indischen Percussion-Instrumenten experimentierte.
Banksy-Connection
Massive Attack und der legendäre Street-Art-Künstler Banksy stammen beide aus Bristol und es gibt Gerüchte, dass Robert Del Naja selbst Banksy ist – ein Running Gag unter Fans, den bisher niemand offiziell bestätigt hat.
Tricky’s Neufassung
Tricky, der an der Originalversion als Songwriter und Rapper beteiligt war, veröffentlichte mit „Overcome“ ein Jahr später die weibliche Antwort auf „Karmacoma“ und startete damit regulär seine Solokarriere.

Wir wollten immer, dass jeder Song wie eine eigene kleine Insel klingt. Manchmal war das bei ‚Karmacoma‘ eher eine surreale Landschaft.

Robert Del Naja
Interview mit The Quietus, 2012. Kontext: Gespräch über die Song-Entstehung auf „Protection“.

Rezension

Wer hätte gedacht, dass ein Song, der mit so einem düsteren Beat um die Ecke schleicht, sich als blühender Garten voller musikalischer Überraschungen entpuppt? „Karmacoma“ ist mehr als nur ein Ohrwurm aus den 90ern: Mit hypnotischem Flow, genreübergreifenden Samples und legendär cryptischen Lyrics wurde nicht nur Trip-Hop neu definiert – sondern auch gezeigt, wie psychedelisches Kopfkino in vier Minuten und 20 Sekunden hörbar gemacht wird. Während Tricky sich wenig später aufmachte, eigenen Nebel zu verbreiten und Massive Attack mit „Mezzanine“ den nächsten Post-Hip-Hop-Meilenstein zündeten, stand „Karmacoma“ als Kunstwerk zwischen Welten. Heute sind Massive Attack Dauergäste auf internationalen Festivals, setzen sich für Klimaschutz ein und demonstrieren, dass politische Botschaften genauso deep knallen können wie ein 90s-Bass-Sample aus Bristol. Für Fans der melancholischen Mathestunde mit Breakbeats ist dieser Song längst Pflicht – und für alle anderen der beste Grund, nochmal ein bisschen tiefer in die Plattenkiste zu greifen.

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